Das Bündnerland ist gnadenlos: Es striezt auch am dritten Tag, wir fahren in dicken Wolken gegen Süden, voller Hoffnung. Und wie so oft wird das Ticino seinem Ruf gerecht: Ennet dem Bernardino bläst der Nordföhn, der Himmel ist dunkelblau. Endlich. Auch in San Pietro, im südlichsten Zipfel der Schweiz, unserem heutigen Etappenziel, geht es um sonnige Genüsse. Um all jene Pflanzen und die daraus gewonnenen Produkte, die das Tessiner Mikroklima hervorbringt.
Es ist Fronleichnam. Feiertag im Tessin, fast 50 Personen nutzen die Gelegenheit, sich mit der Karawane zu treffen. Manuela Ghezzi von ProSpecieRara führt durch den Sortengarten. Die Pflänzchen sind noch nicht sehr hoch gewachsen. Aber man sieht es auch so: Die Vielfalt der Arten und Sorten, die hier gedeihen, ist immens – Tomaten, Bohnen, Auberginen, Salat in allen möglichen Variationen. Die Aubergine „Weisses Schwert“ etwa, die fleischige Rinderherz-Tomate oder die „Carotta Gnif“. Diese Sorte gab es nur noch auf dem Monte Bré bei Lugano, heute ist sie wieder weiter verbreitet.
Das Tessiner Fernsehen nimmt die internationalen Gäste in Beschlag. Eine Journalistin dreht einen Film über die Monopolisierung der globalen Saatgutmärkte und findet mit Ramoo und Carmen kompetente Gesprächspartnerinnen. Derweil holt Markus Lanfranchi, Bauer aus dem Misox und Präsident des Bio-Forum Schweiz, zu einer leidenschaftlichen Lobrede auf die Kleinbauern der Welt aus. Und dankt den südamerikanischen Indigenas, welche der Welt tausende Sorten Mais, Tomaten und Kartoffeln geschenkt hätten. „Wenn wir dazu nur besser Sorge tragen würden“, fügt er an.
Dona Carmen fühlt sich geehrt und gibt das Lob gleich zurück. Sie habe gehört, dass es im Tessin einen ganz speziellen roten Mais gebe, den man nun auch wieder kommerzielle anpflanze. Das sei toll. Tatsächlich sei der „Mais rosso di Ticino“ eine Erfolgsstory, sagt Gianmarco Fattorini, der an der „Rettung“ der Sorte beteiligt war. In den 70er-Jahren habe es noch eine Handvoll Leute gegeben, die das Saatgut besassen. Heute würden wieder weite Felder angebaut, und der rote Mais sei für eine „ganz spezielle Polenta“ sehr beliebt geworden.
Welche unbekannten Produkte das Tessin sonst noch hervorbringt, erfahren wir beim liebevoll präsentierten Apéro. Salemetti aus dem Fleisch des Wollschweines (Ramooo und Ashok: Vorsicht….), Frischkäse von der Capra Grigia, der grauschwarz melierten Tessiner Ziege, Omelette mit blauen Kartoffeln. Ein Fest für Gaumen und Augen.
Einiges zu staunen gibt es für Schweiz-Neulinge auch auf der Rückfahrt: Tunnelbrand im Gotthard, wir fahren über den Pass. Hohe Schneemauern links und rechts. Auf der Nordseite „chrisdicke“ Wolken. Sicht zehn Meter. Maximal. Vom Andermatter Luxusresort des Herrn Swahiri sieht man nichts. Aber: „Wer will denn hier schon Ferien machen“, fragt sich Fanceni und blickt in die kalte Nebelwand.
Ein Dank an Südamerika
Veröffentlicht Juni 4, 2010 Uncategorized Hinterlasse einen KommentarSchlagworte: Biologisches Saatgut, Pro spezie rara, Saatguterhalt, San Pietro di Stabio











0 Antworten zu „Ein Dank an Südamerika“