Von der Vielfalt globaler Bier-Ideen

Peer Schilperoord ist in seinem Element. In grünen Gummistiefeln steht er am Rand des Gerstenfeldes und beginnt zu dozieren. Seit 7000 Jahren schon würden im Bündnerland Kulturpflanzen angebaut, und zwischen 1750 und 1800 habe die Vielfalt der Arten und Sorten ihren Höhepunkt erreicht. „Doch von dann an ging’s bergab“, klagt der Leiter der Vereins für alpine Kulturpflanzen (VALK). Der Anbau von Leinen, Hanf, Hirse und Buchweizen wurde aufgegeben und heute seien nur noch 450 Getreidesorten erhalten, meist Weizen, Gerste, Roggen oder Hafer.

Die Karawane ist in Alvaneu angekommen, auf der Sonnenseite des Albulatals. Nur zeigt sich diese auch heute nicht, es nieselt, die Äcker sind schlammig und nass. Der Verein für alpine Kulturpflanzen hat hier seine Versuchsfelder, experimentiert wird vor allem mit Weizen und Gerste. Gerste Susch, Gerste Safeien, Gerste Alvaneu steht auf den Zetteln neben den hoch aufgeschossenen grünen Büscheln. „Ich han mich immer gfraget vo obenabe, was das für Bluemeschtrüss sind“, sagt eine Bäuerin. Nun wisse sie immerhin, was hier los sei. Und spannend sei es schon, dass man all die alten Sorten nun wieder nutzen könne.

Viel Aufmerksamkeit widmet man der Braugerste, die den Grundstoff für Bier liefert. Den Grund werden wir kurz darauf im Restaurant Belfort kosten. Zuerst geht’s aber in die Diskussionsrunde. Man wolle im Berggebiet die Produktionskreisläufe wieder herstellen, den Ausgleich schaffen zwischen Viehwirtschaft und Ackerbau, sagt Schilperoord. Die Zeit sei reif dafür und günstig, ergänzt Maria Egenolf von Gran Alpin, denn sowohl Bioprodukte wie qualitativ hochstehende Produkte aus den Bergregionen seien immer beliebter. Und dafür sei der Konsument auch bereit, einen guten Preis zu zahlen.

Fanceni Baldé setzt in Guinea-Bissau auf die selbe Strategie: gute Qualität und hoher Preis für Produkte aus lokalen Sorten, die sie über die Organisation Tiniguéna vertreibt. Aber diese Botschaft zu verbreiten, sei in einem bitter armen Land nicht einfach. Das sieht auch Ashok so, der wissen will, welcher Anteil des Endpreises in der Schweiz denn beim Bauern bleibe. Bei Bio-Produkten gewiss viel mehr als bei konventionellen, antwortet Bio-Schaf-Bauer Alfons Rotti von Bio Grischun. Er hat sich mit seinem Betrieb, der Schafkäse und Schafmilch produziert, jedenfalls eine lukrative Marktnische erschlossen.

Ganz in der Region verankert sind auch die beiden Brauer von der Birreria Monstein und der Birreria Tschlin, einem Kleinbetrieb, der ganz hinten im Engadin aus Berggerste seine Bierchen braut. Geschäftsführer Berthold Ketterer tischt uns stolz seine Produkte auf. Köstlich, vor allem das starke Dunkle, das bestens zur Gerstensuppe mit Dinkelbrot passt. Fatima wendet ein, bei ihnen im Niger, einem mehrheitlich muslimischen Land, könnten die Hirsebier-Brauereien fast nur im Untergrund arbeiten. Doch Carmen kontert, man könne ja aus dem Gerstensaft – wie bei ihnen in Nicaragua – auch Mittel zur Insektenabwehr oder Shampoo herstellen. Eine bewundernswerte Vielfalt globaler Bier-Ideen.

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