Singvögel mit unterschiedlichem Dialekt

Wussten Sie, dass Feldlerchen von einem Dorf zum nächsten einen etwas anderen „Dialekt“ singen? Wir stehen auf dem Feld, den Blick in die Ferne gerichtet, vor uns die Ebene des Klettgaus. Wo ist sie denn, die Lerche? Dank dem Anbau des alten einheimischen Getreides Emmer ist das braune Vögelchen wieder häufiger anzutreffen. Die Ornithologen unter uns, die sich von Freiberger Pferden vom einem Exkursionsstopp zum nächsten chauffieren lassen, deuten mit dem Zeigefinger in den wolkenverhangenen Himmel. Richtet sich das Auge nach dem Ohr, finden sich die Singvögel rasch.

Markus Jenny, Landwirtschaftsexperte der Vogelwarte Sempach und neben vielem anderen auch Lerchenspezialist, hat je nach Ort leicht unterschiedliches Gezwitscher nachweisen können. Das ist nicht die einzige Überraschung, die die Ornithologen für die Gäste aus dem Ausland und der Schweiz bereit halten. Jenny deutet auf den Boden. „Hier hat eine Lerche gebrütet.“ Wir sehen kein Nest. Erst genaues Hinschauen offenbart ein unscheinbares Gefüge von Zweiglein. Das Nest sei beim Mähen zerstört worden, die Jungen vom Fuchs gefressen.

Die  Lerche hatte Glück im Unglück. Sie ist ins Nachbarfeld gezügelt. Dort wird Emmer angebaut, ein altes einheimisches Getreide. Die Halme stehen weniger dicht beieinander, so dass die Vögel, die am Boden brüten, ihr Nest dazwischen bauen können. Emmer ist erst reif, wenn die Jungvögel längst flügge sind.

Der Tag hält auch für die einheimischen Fachleute Überraschungen bereit. „Fanceni hat das Problem auf den Punkt gebracht“, kommentiert Fritz Rothen, Geschäftsführer von IP-Suisse ein Votum der jungen Frau. Fanceni Baldé aus Guinea-Bissau ist in ihrem Land Pionierin auf dem Gebiet der Landsorten. Nachdem die Nichtregierungsorganisation, für die sie arbeitet, erst in den Dörfern alte Reissorten ausfindig gemacht und vermehrt hatte, galt es den Reis unters Volks zu bringen. „Der Geschmack ist entscheidend“, sagt sie und erntet  in der Diskussionsrunde beifälliges Nicken. Der Gaumen der Bissauer habe sich in langen Jahren an die hochgezüchteten Sorten gewöhnt und die Landsorten hätten kaum Anklang gefunden, erzählt sie. Die Organisation publizierte ein Kochbuch mit Rezepten aus Guinea-Bissau und eröffnete ein Restaurant. „Damit begründeten wir einen Trend“, sagt sie. Mittlerweile seien die Landsorten in gewissen Kreisen geradezu in.

Landsorten sind auch in der Schweiz längst salonfähig. Aufbauarbeit leisten hierzulande Organisationen wie die Vereinigung Emmer & Einkorn, die dafür sorgen, dass die alten Getreide trotz geringerem Ertrag angebaut werden. So stehen neuerdings in Bäckereien und bei den Grossverteilern Emmerbrote im Regal – und verkaufen sich prächtig.

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