Gegen Mittag mache ich mich auf zum botanischen Garten in Zürich Seefeld. Idyllisch gelegen präsentiert sich die grosszügige Gartenanlage in satten Farben. Ein süsser Fliederduft begleitet mich auf dem Weg zur Cafeteria, wo eine lange Schlange vor dem reich beladenen Sommerbuffet wartet. An die Hundert Frauen und Männer sind gekommen, um das 20-jährige Jubiläum der Schweizer Arbeitsgruppe Gentechnolgie (SAG) zu feiern. Dieser Stopp der Saatgutkarawane, die auf die Bedrohung der Saatgutvielfalt und Eigenständigkeit von Kleinbauern durch die Gentechnologie aufmerksam macht, passt hervorragend.
Ich freue mich, viele Bekannte und Kollegen wiederzusehen. Ich erfahre die neusten Absurditäten über Patentierungsanträge für Pflanzen oder ganz einfach, was die Kolleginnen gerade so machen. Dann treffen auch die internationalen Gäste ein, sie besuchten am Morgen den Markt in Oerlikon und nahmen an der SWISSAID-Aktion gegen Patente auf Leben teil.
Den offiziellen Teil eröffnet Maya Graf, Nationalrätin der Grünen, Biobäuerin und SAG-Präsidentin. Der SAG-Geschäftsleiter Daniel Amman erläutert anschliessend die wichtigsten Gründe gegen Gentechnolgie in der Landwirtschaft: Die Gentechnolgie nimmt Eingriffe in Pflanzen und Tieren vor, die die Natur selber nie zulassen würde. Herbert Karch, Geschäftsleiter der Kleinbauern-Vereinigung, präsentiert DAS Highlight der 20-jährigen Arbeit von SAG: Es ist die Gentechfrei-Initiative, die das Volk im Jahr 2005 angenommen hat. Das 5-jährige Moratorium wird nun um 3 Jahre verlängert. Anstatt selber viel zu sagen, zeigt Herbert Ausschnitte aus der Arena-Sendung zur Abstimmung. Die Gentechfrei-Befürworterinnen legten ihre Argumente überzeugend dar: Wir wollen natürliche und qualitativ hochstehende Nahrungsmittel produzieren, da hat die Gentechnolgie keinen Platz. Die Biologin und Autorin Florianne Koechlin zeigt auf, wie Nutzpflanzen wie z.B. Mais eigene Methoden kennen, um sich gegen Schädlinge zu wehren. Ein intelligentes Vorbeugen gegen Schädlinge setzt an den pflanzeneigenen Abwehrmechanismen an.
Nun kommt der Auftritt unserer Gäste aus dem Süden. Zur Einführung erhalte ich das Wort, stelle die Saatgutkarawane vor und mache Werbung fürs Vielfaltsfest vom 4. Juni auf dem Bundesplatz, um zum Karawaneabschluss möglichst viele Teilnehmende zu gewinnen. Ich weise aber auch darauf hin, dass Gentechnolgie ganz sicher keine Lösung ist fürs Hungerproblem. Die Lösung kann nur von einer selbstbestimmten, kleinbäuerlichen und ökologischen Landwirtschaft kommen.
Dann berichtet Gangula Ramanjaneyulu über die katastrophalen Erfahrungen mit der gentechnisch veränderten Bt-Baumwolle in Indien. 90% des Saatgutes ist gentechnologisch verändert und zu 95% in den Händen von Montsanto. Es gibt auch gute Nachrichten: Die nationale zivilgesellschaftliche Koalition gegen Gentechnologie hat erfolgreich zum Moratorium für die Einführung von Bt-Auberginen beigetragen.
Jorge Iran Vasquez aus Nicaragua berichtet vom enormen Druck, der ausgeübt wird, um in Nicaragua Gentech-Saatgut einzuführen. Die Zivilgesellschaft setzt sich darum seit Jahren für einen gesetzlichen Rahmen ein, um die Biodiversität und ihr lokales Saatgut zu schützen.
Nach diesem geistigen Ausflug in den Süden geht’s nach draussen. Aufgeteilt in drei Gruppen werden wir kompetent durch den botanischen Garten geführt – da, wo die Welt noch in Ordnung ist. Wir betrachten verschiedene Wiesentypen und werden über die historischen Veränderungen informiert, denn heute finden sich immer weniger bunte Wiesen voller Blumen. Auch hier gilt es, die Biodiversität zu schützen.
Das SAG-Fest klingt mit einem Apéro und Musik aus und die Besucherinnen verstreuen sich zufrieden und bestärkt im Kampf gegen Gentechnolgie in alle Richtungen.
Caroline Morel, Geschäftsleiterin SWISSAID









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