Mit einer Installation aus 1015 Weizensorten in kleinen weissen Stoffsäcken wurde die Karawane vor dem Schloss Delley, dem Sitz der Schweizer Saatgutbranche empfangen. Auf dem dreistufigen Podest waren die wenigen Sorten ausgestellt, die aus den jahrelangen Selektions- und Testverfahren als Sieger hervorgegangen waren und die Sortenprüfung bestanden hatten. Ein beeindruckendes Bild, das uns verdeutlichen soll, wie viel Arbeit in der Entwicklung von Getreidesaatgut in der Schweiz steckt.
Der Tag bei der Delley Samen und Pflanzen AG (DSP) und swissem, dem Schweizerischen Saatgutproduzenten-Verband, war eine intensive und hochspannende Einführung in das System der Saatgutproduktion und –vermehrung in der Schweiz. Das Wetter war wunderbar und hinter den kleinkarierten Versuchsfeldern in verschiedenen Grüntönen zeigte sich sogar der Neuenburger See (aus dem wir dann am Mittag den Fisch serviert bekamen). Den halben Tag verbrachten wir in diesen Grüntönen: hunderte Winterweizen- und Triticale Sorten, die vor allem auf Grösse, Reifezeitpunkt, Anfälligkeit für Krankheiten und natürlich den Ertrag getestet werden.
Schon auf dem Feld stand für die Karawanegäste die Frage im Vordergrund, wer in der Züchtung und Vermehrung des Saatgutes welche Rolle spielt in der Schweiz. Was macht der Staat? Wie funktioniert die Zertifizierung? Und wie wird mit den Landwirten zusammengearbeitet? Es brauchte mehrere Anläufe, um das komplexe Schweizer System zu verstehen. Noch finanziert die Eidgenossenschaft eine eigene Getreidezüchtung. Die findet in den staatlichen Forschungsanstalten statt, die mit der DSP und anderen Vermehrungsorganisationen zusammenarbeiten. Die Vermehrung des Saatguts, d.h. der Anbau von Basissaatgut, um daraus die ausreichende Menge an Saatgut für die Schweizer Getreidebauern zu produzieren, wird dann wiederum von Landwirten geleistet. Die DSP und swissem sind froh, dass 95 Prozent der Getreideproduktion mit zertifiziertem Saatgut geschieht. Denn wie sollte die Züchtung sonst finanziert werden? Und wie sonst könnte die Qualität sicher gestellt werden? Für Jorge und Carmen aus Nicaragua war es jedoch befremdlich zu hören, dass die Schweizer Bauern eigenes Saatgut gar nicht mehr einsetzen.
Doch so gut wie beim Getreide sieht es in der Schweiz für keine andere Kultur aus. Aus der Maiszüchtung hat sich der Staat vor einigen Jahren zurückgezogen. Nun versucht die DSP ein eigene Zuchtprogramm mit Hybridmais. Der verkauft sich hier jedoch schlecht, da die grossen Konzerne wie Limagrain, De Kalb und KWS den Markt beherrschen. Mit Hybriden wie Mais lässt sich Geld machen, anders wie beim Weizen. Und die grossen Konzerne investieren Unsummen ins Marketing, womit die DSP nicht mithalten kann.
Ramoo aus Indien fragte in der abschliessenden Diskussionsrunde, was denn die DSP machen würde, wenn der Staat auch die Getreidezüchtung einstellte? Ja dann… Das wisse er auch nicht, sagte Hans Winzeler, Geschäftsleiter der DSP. Ob sie mit einem eigenen Zuchtprogramm auf dem Markt bestehen könnten, sei jetzt schwer einzuschätzen. Erst recht, wenn das Freihandelsabkommen mit der EU abgeschlossen würde und die Schweizer Weizenproduzenten sich dem billigeren Angebot aus den EU Ländern gegenüber sähen. Denn so viel ist klar: Wenn es den Schweizer Landwirten schlecht geht, kann auch das DSP nicht überleben. Und um die Zukunft der Schweizer Weizensorten stünde es dann schlecht.










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